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Geldanlage im Online-Kurs: Universität Zürich mit neuem Finance-MOOC bei Coursera

Privatanleger verlieren viel Geld, weil bestimmte Fehler immer wieder gemacht werden. Ein neuer Videokurs zeigt jetzt, wie es besser geht. Unser Interview mit den Kursdozenten.

Geldanlage im Online-Kurs: Universität Zürich mit neuem Finance-MOOC bei Coursera
Foto: stevepb/pixabay

Online-Kurse über finanzielle Themen gibt es ja inzwischen einige. Alleine in unserem Verzeichnis befinden sich bereits über 800 Kurse im Business-Bereich ("E-Learning in Wirtschaft und Finanzen").

Von der Universität Zürich startet jetzt ein neuer hochwertiger Videokurs, der das Angebot an digitalen Finanz-Kursen um das Thema der richtigen Geldanlage bereichert. 


Schweizer Professoren erklären die Geldanlage

In "Das liebe Geld - Finance im Alltag" zeigen Professor Alexander Wagner und Dr. Elisabeth Liechti (und weitere Dozenten), wie Geldanlage in der Praxis funktioniert

Der Kurs erklärt unter anderem auch so wichtige Themen wie:

  • die (oft unterschätzte) Wirkung des Zinseszins-Effekts
  • die richtige Streuung über verschiedene Anlagemöglichkeiten und
  • die wichtige Rolle von Emotionen bei finanziellen Entscheidungen.

Hauptsächliche Zielgruppe sind Finance-Einsteiger und interessierte Privatanleger, Vorwissen ist keines erforderlich.


In 6 Wochen zum wichtigsten Finance-Basiswissen

Der Kurs wird als MOOC (massive open online course) über die internationale Kursplattform Coursera abgehalten. Mit dieser Kursform nützt die Uni Zürich alle denkbaren Vorteile des modernen digitalen Lernens: hochwertige digitale Videoinhalte, Interaktivität der Teilnehmer in Diskussionsforen und Online-Tests inkl. Zertifikatsmöglichkeit.

Zudem wird der 6-wöchige Kurs auf Deutsch abgehalten (was hinsichtlich der vielen englischen MOOCs bei Coursera eher selten ist). 

Nur wer ein Zertifikat für den Kurs erhalten will, muss eine Gebühr (45 EUR) in Kauf nehmen – ansonsten ist der Kursinhalt kostenlos (die kostenlose Option kann bei der Anmeldung ausgewählt werden).


Wir sprachen mit den beiden Finance-Experten Prof. Wagner und Frau Dr. Liechti über ihren MOOC.



"Privatanleger machen oft genau das Gegenteil von dem, was man machen sollte"


Edukatico: Frau Dr. Liechti und Herr Prof. Wagner, das "Institut für Banking und Finance" der Universität Zürich existiert seit 1969. Fast 50 Jahre nach der Gründung bieten Sie jetzt mit dem MOOC "Finance im Alltag" eine digitale Lernmöglichkeit an, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung von MOOCs und anderen digitalen Bildungsangeboten im deutschsprachigen Raum ein?

Dr. Lisa Liechti (LL): So neu ist für uns diese Entwicklung und die Art des Lernens und Lehrens eigentlich nicht. Unser Institut beschäftigt sich bereits seit der Jahrtausendwende mit den Auswirkungen technischer Innovation auf die Lehre. Daraus wurde ein nachhaltiges Blended Learning Konzept entwickelt, das mittlerweile fixer Bestandteil des Bachelor Programms in Banking und Finance ist und auch das Weiterbildungsangebot des Instituts für Banking und Finance prägt. Dieses Konzept wurde auch 2006 mit dem Medida Prix gekürt.

Mit MOOCs wird nun das klassische E-Learning für die große Breite der Bevölkerung interessant. Und natürlich profitieren auch wir von der Erfahrung dieser Bewegung. Das Internet gehört mittlerweile zu unserem Leben. Mit MOOCs kann jede und jeder das Thema finden, das sie/ihn im Moment interessiert, und auf weltweite Expertinnen und Experten zugreifen. Und es gibt viel zeitliche Flexibilität. 

Ich denke, als Weiterbildungsangebot sind MOOCs in unseren Breitengraden sehr interessant. Was ich weniger unmittelbar sehe, ist eine Ablösung gesamter Ausbildungsprogramme und eine komplette Verlagerung auf MOOC Plattformen.


Edukatico: Was war der Hauptgrund für Sie, diesen frei zugänglichen MOOC anzubieten? Wer ist die Zielgruppe und was kann man dort lernen?

Prof. Alex Wagner (AW): Unsere Zielgruppe ist die breite interessierte Bevölkerung. Unser MOOC ist bewusst als Einführungskurs konzipiert. Auch die deutsche Sprache ist eine bewusste Entscheidung, auch wenn wir damit die Zielgruppe einschränken.

In unserem MOOC erlangt man ein Basiswissen für bewusste und korrekte finanzielle Entscheidungen im Alltag. Es geht also einerseits um die korrekte Entscheidungsfindung, aber auch um konkretes Wissen und Werkzeuge für die persönliche Finanzplanung und Finanzanlage. Außerdem reflektieren wir auch durchaus kritisch gewisse Finanzprodukte und Entwicklungen im Finanzsektor. 

Mit unserem MOOC möchten wir einen Beitrag zur Verbesserung der Kompetenz in Fragen rund ums Geld leisten und auf neuere Forschungsentwicklungen hinweisen. Dazu gehört auch die Verbindung von Finance, Psychologie und Biologie und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. 

Wir wünschen uns, dass unsere Kursteilnehmenden nach Teilnahme bewusster und passend auf die eigene Person mit Geld umgehen und Geld anlegen. Schließlich wollen wir auch zeigen, wer das Institut für Banking und Finance ist, wer dahintersteht und was uns beschäftigt.


Edukatico: Was ist der größte allgemein verbreitete Irrtum oder Fehler in der Geldanlage, der nach Teilnahme an Ihrem MOOC möglicherweise vermieden werden kann? 

AW: Tatsächlich: Privatanleger machen bei der Geldanlage oft genau das Gegenteil von dem, was man machen sollte. Dadurch verlieren sie viel Geld. 

Das Unterschätzen der Macht des Zinseszinseffekts, das Ignorieren der Vorteile der Diversifikation und das zu kurzfristige und oft zu emotionale Handeln sind drei der häufigsten Fehler. 

Zu allen drei Themen bietet der MOOC anschauliche und in der Praxis nützliche Tipps.


Geldanlage im Online-Kurs: Universität Zürich mit neuem Finance-MOOC bei Coursera
Foto: screenshot/coursera

Edukatico: Der Online-Kurs ist ja auch für Anfänger geeignet. Könnten auch Lehrer an weiterführenden Schulen die Kursinhalte im Rahmen des Wirtschaftsunterrichts einsetzen? 

AW: In der Tat können einige Dinge dort interessant sein. Gerade das Entscheidungskonzept des Zeitwerts des Geldes gehört sicher dazu wie auch das Basiswissen zur Geldanlage. 

Aber auch der kritische Umgang mit gewissen Entwicklungen ist für diese Personengruppe sicher interessant.


Datenschutz wird ernst genommen; Uni-Kurse werden ähnlich wie MOOCs


Edukatico: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit einer MOOC-Plattform wie Coursera aus Hochschul-Sicht? Was sollte man nach Ihrer Erfahrung als Uni-Team beim erstmaligen MOOC-Angebot besonders beachten?

LL: Wir konnten von einem Team der Universität Zürich profitieren, das die Arbeit mit Coursera übernommen hat. Gerade wenn man als Institution das erste Mal mit Coursera oder anderen Plattformen dieser Art zu tun hat, geht es zu Beginn sehr stark um Rechtliches

Das Thema Datenschutz ist bei uns sehr aufwändig geworden. Je nach Rechtslage des Landes muss mit enormem Aufwand und professioneller Unterstützung gerechnet werden, bevor man über irgendwelche Inhalte nachdenken kann.

Als Kursteam kann man sehr vom gesammelten Knowhow auf der Plattform selbst profitieren. Hierfür muss man sich aber Zeit nehmen. 

Außerdem sind die Plattformen viel einfacher gestaltet, als man das gewöhnt ist, wenn man normalerweise mit den klassischen Learning Management Systems (LMS) arbeitet. Das hat Vorteile, heißt aber auch, dass man sich auf das einlassen muss, was die Plattform bietet.


Edukatico: Welche Rolle spielen MOOCs im Präsenzunterricht der Universität Zürich? Setzen Sie z.B. "Blended Learning"-Konzepte ein (mit digitaler Wissensvermittlung und weiterführender Diskussion in der Vorlesung)?

LL: MOOCs im engeren Sinne können wir nur einsetzen, wenn wir die Inhalte auf unserem UZH internen LMS spiegeln. Wir dürften die Studierenden nicht verpflichten, ihre User-Daten nach Amerika zu schicken, da dort eine ganz andere rechtliche Datenschutzlage herrscht als in der Schweiz. Das macht das Ganze entsprechend aufwendig. 

Ein Professor der Universität Zürich – Prof. Avi Bernstein – hat dies für die Einführungsveranstaltung im Bereich Informatik gemacht.

Die Universität fördert aber sogenannte MOOC Style Courses im Rahmen des Bachelor- und Masterstudiums. D.h. es gibt immer mehr universitäre Kurse, die wie MOOCs aufgebaut sind, aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. 

Daneben haben wir, wie zu Beginn erzählt, unser Blended Learning Angebot. Hier gibt es jedoch oft eine klassische Vorlesung, die aufgezeichnet und als Podcast zu Verfügung gestellt wird. Die Betreuung erfolgt über Online-Foren.


Edukatico: Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg für den MOOC! 


Zu den Personen

Prof. Alexander F. Wagner ist Associate Professor of Finance am Institut für Banking und Finance der Universität Zürich. Prof. Wagner studierte an der Universität Linz und erlangte einen Ph.D. an der Harvard University. Seine Interessensschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Corporate Finance und Corporate Governance.

Dr. oec. Elisabeth Liechti ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und leitet das Teaching Center des Instituts für Banking und Finance. Sie studierte an der Universität Wien und absolvierte einen Ph.D. an der Universität Zürich. Sie beschäftigt sich u.a. mit verschiedenen Aspekten des E-Learning sowie von Blended Learning-Konzepten.


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Wichtige Praxistipps für MOOC-Anfänger findest Du in diesem Beitrag.

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13.01.2017