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Über Traditionelle Chinesische Medizin im Online-Kurs lernen

Die Beliebtheit der Traditionellen Chinesischen Medizin und Akupunktur nimmt insbesondere in westlichen Ländern stark zu. Ein neuer Online-Kurs bietet eine umfassende Einführung in die TCM.

Über Traditionelle Chinesische Medizin im Online-Kurs lernen
Foto: congerdesign/pixabay

Wie der Name schon sagt, stammt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) aus China. Dort entwickelten sich ihre verschiedenen therapeutischen Praktiken über Tausende von Jahren. TCM umfasst dabei verschiedene Heilmethoden und pflanzliche Heilmittel. Das Ziel ist dabei wie in der konventionellen Medizin, Gesundheitsprobleme zu behandeln und zu verhindern.

In westlichen Ländern wenden Menschen TCM-Methoden wie beispielsweise die Akupunktur primär als ergänzende bzw. alternative Heilmethode an. Als solche erscheint TCM oft geheimnisvoll, und die Gesellschaft im Allgemeinen ist mit der Theorie hinter der Praxis nur wenig vertraut.

Ein Team von Experten der Chinese University of Hong Kong, das sich auf TCM spezialisiert hat, will das jetzt ändern. Der neue Online-Kurs "Everyday Chinese Medicine" dient der Entmystifizierung der TCM-Praxis und ist speziell für die breite Öffentlichkeit konzipiert.

Das Team wird von Professor Vincent Chung geleitet. Vor kurzem haben wir Chung zu seinem neuen MOOC (massive open online course) interviewt.


"Wir wollen das Bewusstsein für Chinesische Medizin fördern"

Edukatico: Professor Chung, warum ist die Chinesische Medizin ein relevantes Thema für Ärzte und für die Gesellschaft?

Professor Chung: Angesichts des zunehmenden Interesses an und der Nutzung der Traditionellen Medizin (TM) weltweit ist Bildung der Schlüssel zur Förderung einer sicheren und effektiven Nutzung der TM.

In der "Traditional Medicine Strategy 2014-23" der WHO wurde sichergestellt, dass Verbraucher fundierte Entscheidungen über medizinische Themen treffen können, und dass Praktiker die ordnungsgemäße Verwendung von TM-Produkten und -Diensten fördern.

Traditionelle Chinesische Medizin ist eine der Hauptformen von TM weltweit. Unser MOOC möchte als Bildungsplattform dienen, um die Öffentlichkeit über TCM zu unterrichten und zu informieren. Unser primäres Ziel ist es, die Entscheidungsfindung über medizinische Fragen zu erleichtern, indem wir das Bewusstsein für diagnostische und therapeutische Ansätze der TCM fördern. Der Kurs dient auch als Einführung in TCM für Fachleute im Gesundheitswesen, wie z. B. Schulmediziner, Krankenschwestern, Apotheker und andere Gesundheitsexperten.


Edukatico: Sie sagen, dass Ihr Kurs darauf abzielt, als "Bildungsplattform" zu dienen. Können Sie die Hauptthemen zusammenfassen, über die Teilnehmer des Kurses lernen werden?

Professor Chung: Der Kurs zielt darauf ab, die Öffentlichkeit und medizinische Fachleute mit den Grundprinzipien der Chinesischen Medizin vertraut zu machen.

Wie ich bereits erwähnt habe, ist es unser vorrangiges Ziel, über ein verbessertes Verständnis von TCM die Entscheidungsfindung in medizinischen Fragen zu erleichtern. Wir wollen aber auch die Ausbildung auf interprofessionellem Niveau verbessern, zum Beispiel zwischen konventionellen Anbietern und TCM-Anbietern.

Die Lernenden werden auch Fähigkeiten im Hinblick auf die Anwendung der TCM-Theorien auf das Verständnis von Gesundheit und Krankheit entwickeln. Wir werden diskutieren, wie TCM die Gesundheit über die Beziehung zwischen Yin und Yang darstellt – wie die Zang-Fu-Organe die lebenswichtigen Funktionen des menschlichen Körpers aufrechterhalten und wie Qi (Lebensenergie), Blut und Körperflüssigkeiten zum Wohlbefinden beitragen.

Wir werden auch die Prinzipien der Pathogenese in der TCM beschreiben; wie die sechs exogenen Substanzen, sieben Emotionen und andere pathogene Faktoren zu Krankheitsfällen führen können. Auf der Grundlage eines solchen Verständnisses werden wir dann die praktischen diagnostischen Verfahren der TCM unter Verwendung der vier Untersuchungen demonstrieren und veranschaulichen, wie der Syndromdifferenzierungsprozess eine Grundlage für die Formulierung von Behandlungsstrategien in der TCM darstellt.

Es gibt auch Übungen und Aufgaben in jedem Modul, die ein besseres Verständnis der praktischen Prinzipien von TCM ermöglichen.


Edukatico: Wer würde am ehesten von Ihrem Online-Kurs profitieren und warum? Gibt es ein bestimmtes Teilnehmerprofil für den Kurs?

Professor Chung: Der Kurs richtet sich an alle, die sich für diese traditionelle Gesundheitspraxis interessieren. Darüber hinaus dient er auch als Einführung für medizinisches Fachpersonal.


Unterricht in den alten Traditionen der "Everyday Chinese Medicine"


Chinesische und westliche Medizin: Mehr gegenseitiges Verständnis ist nötig

Edukatico: Im ersten Teil des Kurses werden die Lernenden bestimmte Themen aus der Perspektive der chinesischen und westlichen Medizin vergleichen. Könnten Sie ein Beispiel geben, wie es eine funktionierende Synergie zwischen beiden Systemen geben kann?

Professor Chung: Derzeit arbeiten TCM-Praktiker und konventionelle Mediziner parallel nebeneinander. Eine Synergie aus der Integration der "Best Practices" wird nur dann zustande kommen, wenn die beiden Berufe eng zusammenarbeiten und dabei unbedingt auf den Patienten ausgerichtet sind.

Eine der Voraussetzungen für die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen TCM und konventioneller Medizin ist ein gegenseitiges Verständnis der Schlüsselprinzipien in Physiologie und Pathologie aus beiden Perspektiven.

Zum Beispiel ist in der konventionellen Medizin das Gehirn dafür verantwortlich, die normale mentale und kognitive Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. In der TCM überwacht das Herz (nicht das anatomische Äquivalent in der Schulmedizin, sondern ein System verschiedener physiologischer Funktionen) diese Fähigkeiten. Dies erklärt, warum Schulmedizin und TCM einen ganz anderen diagnostischen und therapeutischen Ansatz bei der Bewältigung psychischer Probleme einnehmen würden. Ein gegenseitiges Verständnis solcher Unterschiede ist für die synergistische Zusammenarbeit zwischen den beiden Berufen erforderlich.


Edukatico: Im zweiten Teil des Kurses werden die Teilnehmer lernen, geeignete TCM-Praktiken selbst anzuwenden. Können Sie erklären, wie Teilnehmer mit dem, was sie in diesem Kurs lernen, gemeinsam mit ihrem Arzt an ihrer Gesundheit arbeiten können?

Professor Chung: In der TCM spielen Lifestyle-Faktoren eine wichtige Rolle als Krankheitsursache. Der Kurs erklärt, wie Veränderungen des Lebensstils, zum Beispiel bei Ernährung, Schlaf, Bewegung und Achtsamkeit, zur Vorbeugung von Krankheiten beitragen können. Der Kurs wird auch den TCM-Diagnostikrahmen erläutern, was eine bessere Kommunikation zwischen TCM-Praktikern und ihren Patienten ermöglicht.


Edukatico: Wir würden gerne noch wissen, was Sie für eine Online-Version dieses Kurses erwarten. Was sind die Hauptunterschiede und Vorteile des Online-Unterrichts im Gegensatz zu einer Präsenzvorlesung?

Professor Chung: Als Einführungskurs in die grundlegende TCM-Theorie hat ein Online-Kurs den Vorteil, die Verbreitung von Wissen an ein globales Publikum in einem strukturierten Format zu ermöglichen. Der Kurs ist so ein guter Ausgangspunkt sowohl für die Öffentlichkeit als auch für Angehörige der Gesundheitsberufe. Weitere praktische Kenntnisse in TCM können sonst am besten auf einem Campus oder in einem klinischen Umfeld erlernt werden.


Integration von TCM in bestehende Gesundheitssysteme ist noch sehr unterschiedlich

Edukatico: Es werden Lernende aus vielen verschiedenen Ländern am Kurs teilnehmen. Können Sie den aktuellen Status von TCM auf der Welt beschreiben? Gibt es Länder, in denen es häufiger verwendet wird, oder Länder, in denen es gar nicht relevant ist?

Professor Chung: Traditionelle Medizin (TM), einschließlich TCM, spielt seit langem eine Rolle in vielen Gesundheitssystemen der Welt und wird immer beliebter. Neben der alten indischen, griechischen und ägyptischen Medizin ist TCM eines der vier wichtigsten traditionellen Medizinsysteme in der Geschichte der Menschheit.

In vielen asiatischen Ländern ist TM ein integraler Bestandteil des Gesundheitswesens. Dort ist die Nutzung und Praxis von TM tief verwurzelt im sozialen und kulturellen Gefüge der Gemeinschaft. In infrastrukturschwachen Regionen wie Afrika wird geschätzt, dass 80 Prozent der Bevölkerung für die medizinische Grundversorgung auf TM angewiesen sind. In wohlhabenden westlichen Ländern haben sich in den letzten 20 Jahren bestimmte Bevölkerungsgruppen vermehrt der "komplementären und alternativen Medizin" (Complementary and Alternative Medicine bzw. CAM) zugewandt. Die Zahlen für die Anwendung von CAM in der Bevölkerung von z.B. Großbritannien und Australien betragen 47 bzw. 48 Prozent, während die Zahlen für Kanada und Chile bei 70 Prozent liegen.

Das US-amerikanische National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) hat TM und CAM als "verschiedenste medizinische Systeme, Praktiken und Produkte" definiert, die "nicht als Teil der konventionellen Medizin angesehen werden". Die Verwendung des Begriffs "konventionell" in dieser Definition zeigt die Inkompatibilität zwischen dem holistischen Ansatz von TM / CAM und dem reduktionistischen Paradigma der Schulmedizin.

Es wurden jedoch politische Initiativen zur Integration der verschiedenen Ansätze initiiert. In der jüngsten Strategie der WHO zur traditionellen Medizin wurden beispielsweise Maßnahmen der Regierungen zur Förderung der TM / CAM-Politik festgelegt. Diese enthalten Regulierung, Einsatz, Zugang, Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität von TM / CAM.

Die wachsende Beliebtheit der traditionellen und alternativen Medizin bei Patienten hat die Erforschung der Kombination verschiedener Behandlungsmethoden gefördert. Eine wirksame integrierte Politikgestaltung hinkt jedoch noch hinterher. Eine weltweite Umfrage ergab, dass nur 66 von 213 Mitgliedstaaten der WHO eine TM / CAM-Politik in ihren Gesundheitssystemen implementiert haben.

Das Gesundheitssystem Chinas wird von der WHO als eines der vier auf der Welt angesehen, die den höchsten Grad an Integration zwischen Schulmedizin und TM / CAM erreicht haben (neben Vietnam, Südkorea und Nordkorea). In China sind etwa 12 Prozent aller lizenzierten Ärzte TCM-Praktiker, die 10 bis 20 Prozent der gesamten Gesundheitsleistung im Land erbringen. Das sind über 200 Millionen bzw. 7 Millionen ambulante und stationäre Behandlungen.

In den meisten Gesundheitszentren und Kliniken werden TCM und konventionelle Medizin nebeneinander praktiziert. Etwa 75 Prozent aller Gesundheitszentren haben eine TCM- oder eine integrierte TCM-/Schulmedizinabteilung, und etwa ein Drittel der gesamten Versorgungsleistungen in diesen Zentren werden von TCM-Experten erbracht.

Die chinesische Regierung verabschiedete im April 2003 die Verordnung über die Traditionelle Chinesische Medizin. Daraufhin wurden Maßnahmen zur Förderung der TCM verkündet. Diese Maßnahmen stehen mit dem Primärversorgungs-Grundsatz der chinesischen Gesundheitsreform im Einklang. So wurde vorgeschlagen, dass (1) mehr chinesische pflanzliche Arzneimittel in die Liste der wesentlichen Arzneimittel aufgenommen werden sollten; (2) die Erstattungssätze für TCM-Dienste durch die Krankenversicherung erhöht werden sollten; (3) eine bessere Finanzierung und Unterstützung dieser Dienste durch Krankenhäuser angeboten werden sollte; (4) den TCM-Praktizierenden eine spezialisierte Familienmedizinausbildung angeboten wird; und (5) die Forschung über TCM unterstützt wird, um die TCM-Evidenzbasis zu stärken.


Edukatico: Vielen Dank für diesen Überblick und viel Erfolg für Ihren MOOC!


Der Online-Kurs "Everyday Chinese Medicine" startet am 23. Oktober 2017 auf der Coursera-Plattform.


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23.10.2017