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Die MILLA-Lernplattform der CDU: Gut oder schlecht?

Ein "Netflix des Lernens" wurde bereits unzählige Male vorgeschlagen. Jetzt versucht sich die CDU daran. Was steckt dahinter?

Die MILLA-Lernplattform der CDU: Gut oder schlecht?
Bilder: screenshot milla, clareich/pixabay

Die CDU sieht die Digitalisierung als dringenden Anlass für intensive Weiterbildungsaktivitäten breiter Bevölkerungsschichten.

Darin stimmt sie mit vielen Experten überein.

Unter der Leitung von Thomas Heilmann (CDU Berlin) wurde dazu jetzt die Schaffung der MILLA-Lernplattform vorgeschlagen.


Was ist damit gemeint?



Was ist MILLA?

MILLA ist die Abkürzung für das Begriffsungetüm "Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle".

Die grundsätzliche Idee von MILLA soll sein, eine staatliche Plattform bereitzustellen, auf der jeder Bürger Weiterbildungsangebote belegen kann.

  • Anders als bei existierenden Lernangeboten sollen dabei die Kursanbieter vom Staat bezahlt werden. 
  • Auch die Nutzer sollen für absolvierte Kurse mit staatlich finanzierten Sachleistungen belohnt werden.
  • Die Auswahl und Bezahlung der Anbieter werden dabei von einer neu geschaffenen Behörde gesteuert.
  • Auch Zertifikate und Kompetenznachweise sollen möglich sein.

Welche Vor- und Nachteile hat das?


Pro:

  • Wenn Politiker Themen wie Digitalisierung und Weiterbildung in den Fokus rücken, ist das grundsätzlich gut. Die kommende digitale Transformation erfordert vor allem im Arbeitsumfeld neue Skills in allen Bevölkerungsschichten.
  • Interessant ist, dass die CDU dazu einen unerwarteten Vorschlag zur Nutzung digitaler Technologien macht. Die Präsentation dazu könnte fast auch als Business Plan eines Startups durchgehen. 
  • Dabei auch an normale Arbeitnehmer und nicht nur an Förderprogramme für Arbeitslose zu denken, ist politisch nachvollziehbar. Die Art der Förderung kann jedoch auch anders erfolgen. FDP ("Bildungssparen") und SPD ("Chancenkonto") machen bekanntlich alternative Vorschläge.
  • Eine Unterstützung für einzelne deutschsprachige Angebote beispielsweise in der Künstlichen Intelligenz ist ebenfalls sinnvoll. Hier besteht für Dozenten und Universitäten nach wie vor eine Einstiegshürde, vor allem aufgrund fehlender Finanzierung.


Contra:

  • Kann der Staat wirklich besser entscheiden, welche Anbieter und Kurse geeignet sind? Welches "Expertengremium" hier der allgemeinen Nutzernachfrage überlegen sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Die Vergleiche mit Netflix erscheinen insoweit auch unpassend.
  • An der Erstellung eines echten "Netflix fürs Online-Lernen" arbeiten zudem internationale Kursanbieter bereits seit geraumer Zeit mit einigem Vorsprung (zum Beispiel hier, hier oder hier). Auch weitere deutschsprachige Kurse sind dort zu erwarten.
  • Aber nicht nur das Angebot soll staatlich gesteuert werden. Wenn Nutzer fürs Lernen in bestimmten Kursen bezahlt werden, beeinflusst der Staat auch die Entscheidung der Bürger über ihre Weiterbildung. KI-Programmierung oder Sozialkompetenz? Welche Inhalte tatsächlich zukünftig wichtig sind, sollten Nutzer besser unabhängig selbst bestimmen.
  • Ein Bezahlsystem vermindert möglicherweise sogar die natürlichen Anreize zu lernen (Crowding Out-Effekt).
  • Die Kosten von MILLA sollen laut CDU immerhin 1-3 Milliarden EUR jährlich betragen. Für nur 0,002% dieses Betrags könnte eine Universität bereits einen kompletten MOOC-Kurs über Künstliche Intelligenz erstellen.
Die MILLA-Lernplattform der CDU: Gut oder schlecht?

Fazit

Die Intention ist sicher gut, und innovative Vorschläge sind immer positiv zu sehen. 

Die Details von MILLA sollten jedoch weiter durchdacht werden. Im Dezember will die CDU darüber diskutieren.

Falls es jedoch "Weiterbildungswende" genannt wird, wenn der Staat sowohl Angebot als auch Nachfrage dirigistisch beeinflussen wird, könnte das zu ungewünschten Effekten führen.

Sinnvoller (und deutlich günstiger für den Steuerzahler) wäre daher möglicherweise die verstärkte Anschubfinanzierung für einzelne Hochschulen bei der Erstellung deutschsprachiger Online-Kursangebote (MOOCs) zur allgemeinen Weiterbildung.

Und auch ohne MILLA können Nutzer bereits aus den vorhandenen Online-Angeboten zur Digitalisierung auswählen.


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09.11.2018