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Was kostet die Erstellung eines MOOC?

Auch an deutschen Hochschulen werden immer öfter MOOCs erstellt. Der Dienstleister "Polarstern Education" erklärt im Interview, wie lange eine MOOC-Produktion dauert und welche Kosten anfallen.

Was kostet die Erstellung eines MOOC?
Bild: stocksnap/pixabay

MOOCs (massive open online courses) werden auch von Universitäten im deutschsprachigen Raum immer öfter angeboten.

Zwar sind Hochschulen aus den USA und anderen englischsprachigen Ländern bei MOOCs weltweit führend. Aber auch Institutionen wie die TU München, RWTH Aachen und Universität Zürich bieten bereits erste Kurse bei Coursera oder edX an. 

Ein unabhängiger Dienstleister bei der MOOC-Erstellung ist Polarstern Education, ein Startup aus dem Umfeld der RWTH Aachen. Deren Kurse wurden bereits von über 50.000 Lernenden weltweit belegt.

Wir sprachen mit Patrick Neubert, dem CEO von Polarstern, über die konkreten Eckdaten einer MOOC-Erstellung.


"Deutsche Bildungsanbieter haben noch Defizite bei der Digitalisierung"

Edukatico: Patrick, Ihr unterstützt Universitäten und andere Kursanbieter dabei, eigene MOOCs zu erstellen. Wie kam es zu dieser Idee?

Patrick Neubert, Polarstern Education: Wir selbst sind ein Spin-off der RWTH Aachen, dort haben zwei unserer Mitgründer bestehende Veranstaltungen unterrichtet und in digitale Lernformate umgestaltet. Dabei war besonders auffällig, wie umfangreich und komplex diese Transformation ist. 

Da wir vor allem in Deutschland bei vielen Bildungsanbietern noch große Defizite bei der Digitalisierung ihrer Formate sehen, haben wir uns entschlossen, ein Unternehmen zu gründen, welches Dozenten und Lehrende bei der Digitalisierung von Lehrformaten unterstützt.


Edukatico: Für die RWTH Aachen habt ihr ja bereits mehrere MOOCs auf der Plattform edX erstellt, zum Beispiel einen Kurs über Entrepreneurship. Wie zufrieden seid ihr bisher mit den Kursen und Teilnehmerzahlen?

Patrick Neubert: Wir sind sehr zufrieden mit den bisherigen Kursen und es freut uns zu sehen, dass wir bereits innerhalb des ersten Jahres über 50.000 Nutzer erreichen konnten.

Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die Entwicklung von Online-Kursen ein iterativer Prozess ist und unsere Kurse jetzt fortlaufend mit Hilfe von datengestützten Erkenntnissen und des Nutzerfeedbacks optimiert werden müssen

Darin liegt eine wesentliche Stärke von MOOCs gegenüber herkömmlichen Bildungsveranstaltungen.

Was kostet die Erstellung eines MOOC?
Bild: lukasbieri/pixabay

"Der Bildungsmarkt wird zum Käufermarkt"

Edukatico: Was sollte eine Hochschule mitbringen, die das erste Mal einen MOOC erstellen will?

Patrick Neubert: Die Bereitschaft zu experimentieren und Kurse direkt in Zusammenarbeit mit Nutzern zu entwickeln. 

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die besten MOOCs entstehen, wenn die Studierenden bereits vor dem ersten Drehtag in das Projekt involviert sind und zum Beispiel in Form von Beta Tests den Entwicklungsprozess begleiten.

Die meisten Fehler entstehen, wenn Dozenten mit der Erstellung von MOOCs alleine gelassen werden und nicht auf Feedback zurückgreifen können. Typische "Laborkurse", also Kurse, die von Anfang bis Ende hinter verschlossener Tür produziert werden, verfehlen meist das Bedürfnis der Zielgruppe. 

Wir erkennen ganz klar den Trend, dass sich der Bildungsmarkt im digitalen Zeitalter zu einem Käufermarkt entwickelt. Das bedeutet auch für Hochschulen, dass sie sich deutlich stärker am "Kunden" und dessen Lernverhalten und Bedürfnissen orientieren müssen.


Edukatico: Wie lange dauert es ungefähr, einen MOOC zu produzieren?

Patrick Neubert: Unsere Projekte dauern maximal 90 Tage von Kurskonzeptionierung bis Kurs-Launch. 

Da wir den Prozess anhand von festen Entwicklungssprints abarbeiten - ähnlich wie in der Softwareentwicklung nach SCRUM - liegen wir damit sicherlich unter den Entwicklungszeiträumen (und Kosten) der meisten Universitäten.


Edukatico: Aus welchen Gründen lassen Eurer Meinung nach Unis überhaupt eigene MOOCs erstellen? Was ist die Motivation der Hochschulen, diese Mittel und Ressourcen zu investieren?

Patrick Neubert: In den letzten Jahren waren Universitäten vor allem daran interessiert, MOOCs als eine Form des Marketings zu nutzen. Mit MOOCs kann man eine sehr motivierte Zielgruppe an Studierenden, aber auch Alumni und thematisch Interessierte erreichen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Lehrformaten sehen wir vor allem einen Vorteil darin, die bestehenden Formate für Lernende und Lehrende zu verbessern, indem man Angebote fortlaufend optimiert und den Konsum von Inhalten zeit- und ortsunabhängig gestaltet. Netflix macht das im Bereich von Freizeit-Inhalten sehr erfolgreich vor. Somit bleibt in den Universitäten oder Lerngruppen mehr Zeit für Anwendung und Zusammenarbeit.


"Wir können die Kosten der MOOC-Erstellung um 50% reduzieren"

Edukatico: Könnt ihr etwas zum ungefähren Kostenrahmen sagen, den eine Hochschule für einen MOOC realistisch einplanen sollte? Und wovon hängen die Kosten ab?

Patrick Neubert: Die meisten Universitäten planen mit 50.000 bis 70.000€ für einen MOOC, dessen Umfang vergleichbar ist mit einem Kurs, der über ein Semester läuft. 

Diese Kosten kommen oftmals dadurch zustande, dass Universitäten nur begrenzt auf Erfahrung in der Entwicklung von Onlineangeboten zurückgreifen können. Hinzu kommt meist allerdings ein schwer zu beziffernder Kostenblock, der meist durch unnötige Hotfixes während der Kurslaufzeit entsteht, beispielsweise, wenn im Vorfeld nicht vernünftig geplant wurde und es am Prüfungstermin zu Problemen kommt oder wenn bestimmte Dinge technisch nicht funktionieren. Diese Probleme können natürlich auch ein großes Reputationsrisiko mit sich bringen!

Dadurch, dass wir diesen Prozess und die anfallenden Aufgaben wie die Implementierung von Lernsoftware, Medienproduktion und Kursgestaltung zu unserem Kerngeschäft gemacht haben, können wir diese Kosten um bis zu 50% reduzieren und Ausfälle und Probleme sehr stark reduzieren.


Edukatico: Im Vergleich zu den MOOCs von US-Hochschulen bei edX und Coursera sind deutsche Universitäten ja bis auf wenige Ausnahmen noch eher zurückhaltend in der Online-Bildung. Seht ihr bestimmte Themengebiete oder Fächer, in denen deutschsprachige Hochschulen mit MOOCs zukünftig auch international punkten können?

Patrick Neubert: Wir sehen viel Potenzial für die Kurse deutscher Universitäten, da unsere Lehre traditionell eng verknüpft ist mit aktueller Forschung und Themen von globaler Relevanz. 

Sicherlich ist es kein Zufall, dass wir bereits heute viele Suchanfragen für Kurse zu deutschem Maschinenbau oder Qualitätsmanagement auf Suchmaschinen beobachten können. Dasselbe gilt auch für andere Themen rund um Technologie und Betriebswirtschaftslehre. 

Leider wird dieser Bedarf noch nicht ausreichend gedeckt. Da sich der digitale Bildungsmarkt gerade noch in den Kinderschuhen befindet, haben wir nun aber trotz des kleinen Vorsprungs anderer Länder hier die einmalige Chance, unsere deutsche Hochschulbildung auch im digitalen Zeitalter weltweit nachhaltig führend zu platzieren - wenn wir jetzt alles richtig machen und uns beeilen!


Edukatico: Vielen Dank für das Interview und weiter viel Erfolg für Eure MOOCs!


[Das Interview wurde zur besseren Lesbarkeit leicht redigiert.]


Während viele Hochschulen mit eigenen Medien-Teams Online-Angebote und MOOCs erstellen, bietet Polarstern Education diesen Service als externer Dienstleister an.

Dabei werden bestehende Kurse innerhalb von rund 90 Tagen nach einem vorgegebenen Ablaufplan digitalisiert und können so einem praktisch unbegrenzten Lernpublikum online zur Verfügung gestellt werden. Technologisch wird dies über die Open Source-Plattform OpenEdX des MOOC-Anbieters edX ermöglicht.

Zielgruppe sind dabei vor allem Hochschulen, die bereits bestehende Präsenzkurse in ein digitales Format bringen wollen, um eigenen Studenten das Online-Lernen zu ermöglichen oder um zusätzliche Lerner zu erreichen. Der genaue Kostenrahmen richtet sich dabei nach dem Kursumfang (Anzahl der Lerneinheiten) und bewegt sich nach Angaben von Polarstern aufgrund der bereits etablierten Prozesse unterhalb der üblichen Erstellungskosten von Universitäten.

Eine kurze Übersicht über bereits bestehende deutschsprachige MOOCs gibt dieser Artikel. Was ein MOOC genau ist, wird hier erläutert.



Intro zu einem MOOC-Kurs der RWTH Aachen zum Thema Venture Capital


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09.05.2018