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Was ist eigentlich gemeint mit der "Digitalisierung von Hochschulen"?

Das wird zwar oft diskutiert, bleibt aber meistens wenig konkret. Wir zeigen, warum Unis jetzt auch MOOCs voranbringen sollten.

Was ist eigentlich gemeint mit der "Digitalisierung von Hochschulen"?
[pixabay]

Die Digitalisierung der Gesellschaft ist ein intensiv diskutierter Megatrend. Was "Digitalisierung" dabei jeweils genau bedeutet, bleibt leider oft etwas unklar. Wir denken, dass im Hochschulbereich ganz konkret vor allem die Erstellung von MOOCs in den nächsten Jahren wichtige Chancen bieten kann.


Umstellung der Lehre: die Monster-Aufgabe

Man kann sich zunächst grundsätzlich fragen, in welchen Bereichen der Universitäten denn die digitale Technik überhaupt noch signifikante Veränderungen bringen wird. Sieht man sich die drei Kernbereiche der Hochschulen an, erkennt man leicht eine unterschiedliche Gewichtung. 

Verwaltung

In der Verwaltung / Administration ist der digitale Fortschritt längst angekommen und auch wenig kontrovers. Technische Vereinfachungen wie das online verfügbare Vorlesungsverzeichnis oder das IT-unterstützte Online-Einschreiben der Studierenden sind inzwischen akzeptiert.

Forschung

Auch in der Forschung werden diverse digitale Hilfsmittel bereits selbstverständlich eingesetzt. Hier geht es oft um Effizienzsteigerungen oder Digitalisierungsfortschritte in der Kommunikation und Datenanalyse.

Lehre

Ganz anders stellt sich die Situation in der Lehre dar: Hier sind durch den Einsatz digitaler Techniken strukturell in den nächsten Jahren die größten Veränderungen zu erwarten. Unter anderem weil Universitäten hier gleichzeitig das meiste Personal beschäftigen, führt die Diskussion der kommenden Veränderungen auch zu einer gewissen Verzögerung beim Einsatz neuer Technologie.

Die Hauptaufgabe für Hochschulen bei der Digitalisierung in den nächsten Jahren wird es daher sein, das Lehrangebot umfassend zu modernisieren. Tausende Professoren und Dozenten an 427 deutschen Hochschulen mit 2,8 Mio. Studierenden sollten sich besser heute als morgen intensiv mit diesem Thema befassen.

Im Hochschulforum Digitalisierung diskutiert ein Expertengremium bereits seit 2014 recht detailliert dieses Thema. Und die E-Teaching-Gruppe des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen beleuchtet die digitalen Aspekte der Lehre aus wissenschaftlicher Sicht.

Ein weiterer führender Digitalisierungs-Experte im Hochschulbereich ist Prof. Michael Kerres von der Universität Duisburg-Essen. Kerres sieht eine deutliche Veränderung, seit "Digitalisierung" mehr bieten kann als das einfache Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien:



Und was ist "Digitalisierung der Lehre"?

Und woraus besteht die Lehre bzw. was kann dabei genau "digitalisiert" werden? Natürlich geht es dabei im Wesentlichen um die Wissensvermittlung, die Interaktion zwischen Studierenden und Dozenten sowie um das Prüfungswesen

In allen diesen Bereichen werden dabei einerseits digitale Prozesse eingeführt. Beispielsweise kann die reine Wissensvermittlung statt in Präsenzvorlesungen teilweise online erfolgen, ebenso die Kommunikation zwischen Studierenden und mit Professoren. Auch gewisse Prüfungen und Tests können online abgelegt werden, wobei gerade in diesem Bereich sicher auch noch weitere technologische Innovation nötig ist (im Fern- bzw. Online-Studium der IUBH-Hochschule werden inzwischen z.B. bereits Online-Klausuren ermöglicht).

Gleichzeitig mit der Umstellung von analogen auf digitale Prozesse entstehen jedoch auch neue Chancen.

Beispiele für die Verbesserung von Lernerfolgen werden z.B. oft unter den Begriffen Learning Analytics und Personalized Learning zusammengefasst, womit Lernprozesse datenbasiert überarbeitet und stärker individualisiert werden können. Die Verbreitung digitaler Lehrinhalte ohne Grenzkosten für zusätzliche Teilnehmer führt außerdem auch zur Möglichkeit, weiteren Teilnehmern das Lernen einfach zu ermöglichen (z.B. Interessenten, die Präsenzveranstaltungen nicht besuchen können). Die überregionale Reichweite digitaler Lehre ermöglicht es Hochschulen und Professoren des Weiteren auch, sich in einzelnen Themen als Spezialisten differenzieren zu können. Und wenn die reine Wissensvermittlung digital erfolgt, bleibt dem Dozenten nicht zuletzt auch mehr Zeit für die Diskussion der Inhalte mit den Studierenden (Flipped Classroom).

Was ist eigentlich gemeint mit der "Digitalisierung von Hochschulen"?
[Edukatico.org]

MOOCs schlagen pdf-Skripte 

Bei der Frage, wie genau im Studium online gelernt werden kann, denken viele zunächst an die bereits seit einigen Jahren bestehenden E-Learning – Angebote. Dabei wurden in der Vergangenheit allerdings meist nur die Text-Skripte oder Folien im pdf-Format auf einem Server online zur Verfügung gestellt. Manchmal wurden zwar auch eigens Online-Inhalte produziert, allerdings oft nur in Form einfach gestalteter Textbildschirme. Diese Art des Online-Lernens ist jedoch nicht mehr zeitgemäß, da Nutzer im Internet inzwischen zu Recht andere Darstellungsformen erwarten. Gleichzeitig entgeht der Universität damit oft auch die Chance, über modernes E-Learning das Lernerlebnis attraktiv zu gestalten.

Etwas moderner gibt sich da schon die Online-Vorlesung in Form einer Videoaufzeichnung. Im Edukatico-Verzeichnis sind beispielsweise bereits hunderte Vorlesungsvideos von mehr als 10 Universitäten verfügbar. Dieses etwas belebtere Lernformat gibt dem Nutzer dabei zumindest eine Lernerfahrung, die er mit dem Lehrbuch oder Online-Skript alleine nicht bekommen kann. Und auch die Öffnung der akademischen Lehre für die breitere Gesellschaft (die ja immerhin die Hochschulen finanziert) ist damit möglich, auch wenn dieser offene Zugang für die Allgemeinheit leider noch zu selten praktiziert wird. Teilweise ist auch die Bild- und Tonqualität der Aufzeichnungen nicht ganz zufriedenstellend ("Was sollten Professoren bei Online-Vorlesungen beachten?"). 

Besser geeignet für ein modernes Online-Studium können dagegen Massive Open Online Courses (MOOCs) sein. Diese Online-Kurse werden eigens für das digitale Lernerlebnis produziert und eignen sich daher auch am besten für den Nutzer, der online lernen will. MOOCs vereinen die ortsunabhängige Reichweite und hohe Teilnehmerzahlen sowie interaktive Elemente wie Diskussionsforen und integrierte Prüfungen ("So funktioniert ein MOOC"). Die Verbesserung der Lehre wird ebenso ermöglicht (beispielsweise über die Analyse von mehrmals angesehenen "schwierigen Stellen" in Videosequenzen). Und über Flipped Classroom-Modelle können MOOCs zukünftig ideal ins Studium eingebunden werden.

Über MOOCs kann somit insgesamt die Digitalisierung der Lehre gut unterstützt werden. Und die technologische Entwicklung hört bei den heutigen MOOCs sicher nicht auf: So wird in den USA bereits seit längerer Zeit am Einsatz von Virtual Reality in der Lehre gearbeitet ("Virtual Reality will Transform Online Learning").


Und warum das Ganze?

Nachdem die Digitalisierung innerhalb weniger Jahre bereits die komplette Musik- und Filmindustrie, den Einzelhandel, das Kommunikationsverhalten und weitere Bereiche der Gesellschaft umgekrempelt hat, sollte eigentlich der grundsätzliche Trend offensichtlich sein.

Trotzdem gibt es gerade hinsichtlich der Lehre an Hochschulen noch viele Widerstände. Warum also das Ganze?

  1. Zum einen entstehen aus der Digitalisierung diverse Chancen, die hier nur kurz angerissen werden können. Der oben erwähnte breitere Zugang zu Lerninhalten und die Verbesserung und Individualisierung von Lernerfolgen gehören sicher dazu.
  2. Zum anderen ist der technologische Fortschritt sowieso unaufhaltsam, und damit eben auch die digitale Innovation in der akademischen Lehre. Wer bei den erforderlichen Digitalisierungsschritten in den nächsten Jahren nicht aktiv mitwirkt, wird daher voraussichtlich schnell zurückfallen.

Ein Research Paper der Universität Graz über die Rolle von MOOCs an Hochschulen zieht dazu ein zutreffendes Fazit:

"In Anbetracht des gesellschaftlichen Wandels und der Bedeutung des Internets für einen globalen Bildungszugang sollten MOOCs [in] Zukunft auf jeden Fall Bestandteil der Hochschulbildung sein. Dies führt zum Schluss, dass den damit verbundenen Herausforderungen aktiv und entschlossen begegnet werden sollte."


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